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art@juliaschramm.com

Leuchtende Dunkelheit

Amorphe Wesen tauchen aus dem Dunkel auf: eine Silhouette, eine Umarmung, ein Gesicht. Wir sehen menschenähnliche Gestalten, die uns aus leeren Augenhöhlen anstarren oder in Gruppen miteinander agieren. Mit ihrer Malerei stört Julia Schramm unsere Sehgewohnheiten. Zunächst im klassischen Porträtmodus angelegt, scheinen sich die Figuren dem Blick des Betrachters zu entziehen. In dem Moment, in dem wir glauben, die Wesen zu erfassen, verzerren und zersetzen sie sich bereits wieder und lösen sich auf in Abstraktion.

Mit ihrer Arbeit weist Julia Schramm auf die Möglichkeiten der Malerei hin: Formen zu schaffen, die man nicht in Worte fassen kann. Sie kann mit ihrem Handwerk etwas sichtbar machen, das es zwar gibt, das wir aber nicht wahrnehmen oder erkennen können. Die Künstlerin zeigt den Subtext, die Zwischenräume. Es sind assoziative, emotionale Ansätze, auf die sie sich während des Malprozesses beruft. Sie schöpft für ihre Gestalten aus unterschiedlichsten visuellen, kunsthistorischen und literarischen Quellen, greift aber vor allem auf ein inneres Archiv zurück. Es ist die Irritation, die sie interessiert, das Unvollkommene und Ungerade. Wir blicken in verfremdete, entstellte Gesichter und werden mit düsteren Kreaturen und rätselhaften Körpern konfrontiert, deren Gesten und Mimik nur angedeutet sind. Dabei steht häufig die Interaktion der Figuren im Vordergrund – Wesen, die sich berühren, ganz nah beieinanderstehen oder sich fest umarmen.

Julia Schramm arbeitet vornehmlich allein in ihrem Studio, bei verschlossenen Türen. Es ist ein meditatives Arbeiten: Die Künstlerin bespannt ihre Leinwände, grundiert sie mit Gesso und trägt eine erste Schicht Acrylfarbe auf. Sie verteilt mehrere dieser vorbereiteten Bilder auf dem Boden, um parallel an ihnen zu arbeiten. Dann gießt sie mit Wasser verdünnte Gesso-Grundierung auf die Leinwände, auf die sie wiederum
assoziativ mit Acryl- und Ölfarbe arbeitet, wobei sie nie Schwarz verwendet, sondern stets dunkle Farben übereinanderlegt. Immer wieder gießt sie die helle Grundierung zwischen den Farbschichten auf die Bilder, um die Motive weiterzuentwickeln. Es erscheinen neue, weiße Flächen auf dunklem Grund, aus denen die Künstlerin nach und nach mit Pinseln, Fingern und Lappen die Gestalten herausarbeitet. Dabei reizt sie immer wieder die Grenzen der technischen Möglichkeiten aus. Was hält die Leinwand aus? Wann endet die Figürlichkeit und wann beginnt die Abstraktion? Welche Reliefs und Strukturen entstehen, wenn man Tücher in die Farbflächen legt? Bei ihrer Arbeit hat nicht nur die Farbe stets ein großes Mitspracherecht, sondern auch der Aspekt des Zufalls. So testet Julia Schramm auch, was passiert, wenn sich unter der Leinwand Unebenheiten befinden oder welche Schemen bei zufälligem Farbauftrag in Erscheinung treten.

Lange Zeit malte die Künstlerin menschliche Wesen, wobei sich ihre Arbeit in unterschiedliche Phasen teilt, in denen sie vornehmlich bestimmte Farben verwendete: Rot, Blau oder Ocker. Aktuell arbeitet sie an zwei Werkgruppen: Menschen und Vögel. Es sind keine konkreten Vögel, auf die sie sich in ihren Arbeiten bezieht, und auch bei den menschlichen Gestalten handelt es sich nicht um Porträts real existierender Personen. Julia Schramms Erzählungen befinden sich außerhalb von Raum und Zeit – es gibt keine Referenzen zu Kleidung oder Frisuren, auch das Geschlecht bleibt offen und die Bildräume und die Umgebung der Figuren meist undefiniert. Wahrscheinlich ist es auch diese Übernatürlichkeit und Zeitlosigkeit, die ihre Bilder noch lange in unserem Gedächtnis weilen lässt.

Lena Fließbach

  • Ausstellungsansicht, 2018, ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau, Berlin, Foto: Hanna Stiegeler

  • Ausstellungsansicht, 2018, ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau, Berlin, Foto: Hanna Stiegeler

  • Ausstellungsansicht, 2018, ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau, Berlin, Foto: Hanna Stiegeler

  • Ausstellungsansicht, 2018, ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau, Berlin, Foto: Hanna Stiegeler

  • Ausstellungsansicht, 2018, ZAK - Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle Spandau, Berlin, Foto: Hanna Stiegeler

  • Ausstellungsansicht, 2017, Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Berlin

  • Ausstellungsansicht, 2017, Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Berlin

  • Ausstellungsansicht, 2017, Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Berlin

  • Muggesturm , Galerie Alte Schule Adlershof, Berlin, 2015

CV

*1985 in Diepholz

Studium
2012 Meisterschülerin bei Prof. Antje Majewski, Weißensee Kunsthochschule Berlin
2011 Diplom bei Prof. Antje Majewski, Prof. Dr. Gabriele Werner, Weißensee Kunsthochschule
2006-2011 Studiumder Malerei an der Weißensee Kunsthochschule Berlin
2008 Erasmusstipendium, Chelsea College of Arts, London

Stipendien und Preise
2017 Goldrausch Künstlerinnenprojekt, Berlin
2018 10. Werner-Kühl-Preis

Ausstellungen (Auswahl)

2018
Werner-Kühl-Preis, Gemeinschaftsausstellung - Kreismuseum Syke
schälen, gießen - ZKM Zentrum für aktuelle Kunst, Berlin (E)
Federn gelassen - Der Vogel in der aktuellen Kunst, Kunstraum Neureut e.V.
Vögel und Menschen Kohi-Kulturraum e.V. Karlsruher (E)

2017
One night in Paris , 18 rue Villehardouin, Paris
Die Bilder der Anderen, Staatliche Majolika Manufaktur, Karlsruhe

2016
Dunkelheit und Licht , Kulturpalast Wedding International, Berlin (E)
Bilder der Anderen, Berlinische Galerie, Berlin
Helter Skelter, Kulturpalast Wedding International, Berlin

2015
Geheimnisträger, Tuchmacherhaus, Diepholz (E)
Anders, Kohi-Kulturraum e.V. Karlsruher (E)
Anonyme Zeichner, Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten, Berlin
Lost in Paradise - Ortstermin, Ottopark in Kooperation mit Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten, Berlin
Berlin Bozen Connection, Studio Crom, Bozen, Südtirol
Muggesturm, Galerie Alte Schule Adlershof, Berlin

2014
Forma, Elektrohaus, Hamburg
Kreisen, Die Klassenbesten, Berlin
Antonym, Atelierhof Kreuzberg, Berlin

2013
Stille, Die Klassenbesten, Berlin
Within Without, team titanic, Berlin

2012
Kunst braucht Fläche, AV Tour, Berlin
Ausgerechnet Freitag der Dreizehnte, Meisterschülerausstellung, Berlin

2011
Diplomandenausstellung, Uferhallen, Berlin
Through the Looking Glass, Bar Babette, Berlin

2010
Fernsehturm, Fernsehturm, Berlin
My brain is the most beautiful part of my body, The Center for Endless Progress, Berlin (E)

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